Bewertung: “Identitäre Bewegung Deutschland”

Vor einigen Tagen erschien ein wirkungsvoll gestaltetes Video der französischen Bewegung “Génération Identitaire“, das auch in Deutschland in interessierten Kreisen stark beachtet wurde. Unmittelbar nach Erscheinen des Videos bildete sich eine “Identitäre Bewegung Deutschland“ (IDB), die sich zahlreichen Fragen bezüglich ihrer Ziele und Ausrichtung ausgesetzt sah.

Seitdem hat die IDB eine ausführliche Grundsatzerklärung (“Von der Idee in die Tat“) sowie vier programmatische Texte (“100 % Identität – 0 % Rassismus“, “Unser Ziel ist demokratisch“, “Unser Weg führt nach Europa“, “Weder Kippa noch Palituch“) veröffentlicht, die uns eine erste Bewertung des Vorhabens ermöglichen. Auch “Der Funke“, “Metapolitika“, die “Blaue Narzisse” (hier, hier und hier) und Baal Müller in der “Jungen Freiheit” haben mittlerweile solche Bewertungen abgegeben, deren positiven Grundton wir ausdrücklich teilen.

1. Was wollen die Identitären?

In ihren Schriften definiert sich die IDB folgendermaßen:

  • Als Ziele werden genannt: Erhaltung der eigenen ethnokulturellen Identität, Behauptung des Eigenen und eine “kulturell-geistige Revolution, die Werte wie Tradition, Heimat, Familie, Kultur, Volk, Staat, Ordnung, Schönheit u.v.m. wieder zu positiven, erstrebenswerten Begriffen macht”
  • Als Gegner betrachtet man mit Schwerpunkt die 68er-Bewegung und ihre Ausläufer, die die gegenwärtige Schwäche Deutschlands zu verantworten hätten. Demographischer Kollaps und Massenzuwanderung gehörten zu den Symptomen dieser Schwäche, sollten aber nicht mit deren Ursachen verwechselt werden.
  • Die Identitären beschreiben sich selbst als Jugendbewegung von “Patrioten, die in der Stunde der Gefahr ihre Heimat nicht im Stich lassen können”
  • Ihr geplantes Vorgehen erinnert an Götz Kubitscheks Strategie der Provokation: In der Bevölkerung sollen identitäre Fragen durch Störung des Eliten-Konsenses und Konfrontation mit den realen Folgen des Identitätsverlusts aufgeworfen werden. Am Ende soll in Volksabstimmungen über identitäre Grundfragen entschieden werden.

2. Stärken

  • Positive Konzepte wie Heimat, Freiheit, Tradition, Identität, Patriotismus, das Eigene etc. werden in den Vordergrund gestellt. Dies ist aus kommunikativer Sicht ein richtiges Vorgehen. Eine umgekehrte, negative Definition über den Gegner oder abgelehnte Dinge sowie zuviel Distanzierung hätte schwach und passiv gewirkt.
  • Die Bewegung gründet auf geistiger Ebene auf einem angemessenen Ausgleich zwischen Offenheit und Abgrenzung. Man ist offen genug, um viele Kräfte zu vereinen, grenzt sich aber genügend ab, um nicht beliebig zu wirken, und schließt durch Abgrenzung auch manch offene Flanke, auch wenn man bei der Abgrenzung vereinzelt etwas zu sehr auf Distanzierungen setzt (siehe unten).
  • Die Bewegung ist anschlußfähig, indem sie auf überflüssige Ideologie oder nachrangige Themen verzichtet, etwa Vergangenheitsthemen. Man konzentriert sich ganz auf klare, gegenwartsbezogene Schwerpunkte von existentieller Bedeutung.
  • In Sprache und Auftreten ist man zeitgemäß, ohne anbiedernd oder nachahmend zu wirken.
  • Durch Verzicht auf zentrale Führung ist man in dieser Phase flexibler und auch durchhaltefähiger und bietet Gegnern weniger Ziele. Allerdings macht man sich in anderer Hinsicht auch verwundbar (siehe unten).
  • Man eignet sich selbstbewußt Begriffe an, die der politische Gegner oft in zynisch entstellter Form für sich beansprucht, etwa “Europa”, “Recht und Freiheit” oder “Demokratie”. Da man alle diese Dinge glaubwürdiger verkörpern kann als der Gegner, setzt man diesen unter Druck und reduziert dessen Möglichkeiten, mit der üblichen Rhetorik zu reagieren. Er wird sich etwas neues einfallen lassen müssen.
  • Die Bewegung ist, anders als ihre politischen Gegner, tatsächlich vielfältig im positiven Sinne. Es herrscht bislang offener Wettbewerb der Meinungen, und niemand will die Bewegung bislang für egoistische Ziele instrumentalisieren oder Einzelinteressen in ihr zwanghaft durchsetzen.

3. Schwächen

  • Man distanziert sich etwas zu häufig von Dingen, die der IBD möglicherweise zugeschrieben werden könnten. Auch wenn die Schließung entsprechender offener Flanken wichtig ist, so nimmt man mit einer Distanzierung die Zuschreibung immer auch ein Stück weit an und läßt sich so auf die vom politischen Gegner vorgegebenen Regeln ein. Erfahrung zeigt, das es wichtiger ist, die eigenen Stärken zu betonen, sich positiv besetzte oder besetzbare Konzepte anzueigenen und den Gegner unter Rechtfertigungsdruck zu setzen, etwa durch Konfrontation mit den für Deutschland und die Deutschen schädlichen Folgen seines Handelns und seiner Weltanschauung.
  • Die Texte der Identitären könnten noch prägnanter und fokussierter formuliert sein.
  • Die Unklarheit darüber, wer hinter der Bewegung steht, wird viele Deutsche zögern lassen, sich ihr anzuschließen. Man ist zurückhaltend bei etwas mitzuwirken, das sich als Werk von Provokatueren etc. herausstellen könnte.
  • Die offenen Strukturen der Identitären sind verwundbar für Unterwanderung jeder Art und aus jedem Lager.
  • Die Bewegung übernimmt z.T. ihre Symbole und Botschafen direkt vom französischen Vorbild, oft ohne sie an deutsche Gegebenheiten anzupassen.

4. Chancen

  • Die Erfahrungen der Deutschen mit dem laufenden Bevölkerungsaustausch und Tabuierung der eigenen Identität sind überwiegend negativ und werden mit fortschreitender Entwicklung immer negativer. Wie das Allensbach-Institut jüngst vorsichtig feststellte, nehmen durch persönliche Erfahrungen mit Zuwanderern positive Einstellungen gegenüber dem Zuwanderung nicht unbedingt zu. Was zunimmt, sind Forderungen von Deutschen nach einer “Leitkultur” und die Wahrnehmung von Konflikten mit bestimmten Zuwanderergruppen.
  • Es gibt derzeit niemanden, der durch Umfragen belegte Grundbedürfnisse der Deutschen in Identitätsfragen politisch ernsthaft aufgreift.  Die Identitären stoßen hier in eine Lücke, die kein seriöser Akteur bislang für sich beanspruchen wollte.

5. Herausforderungen

Die identitäre Bewegung hat gerade wegen ihrer Stärken mit hartem Gegenwind zu rechnen. Anders als isolierte Gruppierungen im rechten Spektrum hat sie das Potential, größere Wirkung zu erzielen. Gerade deshalb ist sie für die Eliten gefährlich und wird schon bald mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln angegriffen werden, insbesondere mit dem Mittel der Denunziation. Roland Sieber von der mit Bundesmitteln geförderten “Amadeu-Antonio-Stiftung” versuchte in einem ersten Denunziationsversuch bereits, die Identitären in den Kontext “uniformierter Milizen” zu stellen und spricht ohne jede Grundlage bzw. unter Bezugnahme auf Akteure, die mit den Identitären nichts zu tun haben, von “Rassismus” und “besonderer Militanz” und einer “neuen rechtsterroristischen Strömung”. Seine Behauptungen wirken in einem verweifelten Maße konstruiert und für jeden intelligenten Menschen leicht als haltlos zu durchschauen, zeigen aber, womit künftig noch verstärkt zu rechnen sein wird.

Insgesamt jedoch stellt die IDB einen vielversprechenen Ansatz dar, den wir unterstützen. Wir haben daher das Lambda-Symbol, das sich auf das antike Sparta bezieht, übernommen, es jedoch mit den Farben Blau-Gold der deutschen neuheidnisch-volklichen Bewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts kombiniert, die als ein Vorläufer heutiger identitärer Bewegungen gelten kann.

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3 Antworten zu Bewertung: “Identitäre Bewegung Deutschland”

  1. schmacks schreibt:

    Reblogged this on schmacks.

  2. Pingback: Identitäre Bewegung Deutschland | Schwert der Aufklärung

  3. Isley Constantine schreibt:

    Reblogged this on Schwert der Aufklärung und kommentierte:
    Schon seit einiger Zeit verfolge ich die Identitären Bewegungen, welche vor allem im französischen Raum schon etwas grösser ist und Zeit hatte sich zu festigen.
    Aber auch in Deutschland scheint sich nun langsam aber sicher eine identitäre Bewegung aufzubauen (http://www.identitaere-bewegung.info) und die bereits verfügbaren Standpunkte, Definitionserklärungen undVisionen oder wie man es nennen möchte, geben schon einmal einen interessanten Vorgeschmack auf das was noch kommen könnte. Die Texte sind gut verfasst, könnten aber noch etwas aufgebessert werden. Teilweise wird mir noch zu stark die Abgrenzung zum Nationalsozialismus hervorgehoben, was an sich ja sicher stimmt und gut und richtig ist, aber es wäre besser, wenn die eigenen Ziele mehr im Vordergrund stünden. Im Sinne von “Wofür wir sind” und nicht “Was wir nicht sind”. Eine kurze Erläuterung dazu würde genügen, ohne sich in Wiederholungen zu verfangen. Der politische Gegner, so muss man annehmen, hat sich ja seine Meinung bereits sowieso schon wieder gebildet und die identitären Bewegungen in eine für sie liebsame Schublade eingeordnet.
    Nachfolgend ein Repost eines Blog-Artikels, welches sich intensiver als ich mit dieser deutschen, identitären Bewegung bereits befasst hat und erste Eindrücke dazu abgibt.

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