Was ist das Eigene? – Teil 2: Slavite Gospoda

Dieser serbische Chor repräsentiert je nach Standpunkt wahlweise reaktionäre Rückständigkeit, den universalistischen Anspruch einer fremdartigen Wüstenreligion, slawische Eigenart oder einen lebendigen Zweig der zweitausendjährigen Tradition des Abendlandes.

Der Text des Gesanges ist rund 2.500 Jahre alt und stammt aus dem Psalm 135: „Die Götzen der Heiden sind nur Silber und Gold, ein Machwerk von Menschenhand.“

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Findet eine „Re-Traditionalisierung“ in Europa statt?

Der amerikanische Kulturwissenschaftler Stephen Turley blickt optimistisch in die Zukunft. Ereignisse wie der „Brexit“ seien ein Beleg dafür, dass die Kräfte der Globalisierung und anderer Auflösungsentwicklungen schwächer seien als Ordnungskräfte wie die Sehnsucht des Menschen nach Identität in Form von Familie, Nation, Glaube und Tradition. Während sich andere Regionen der Welt schon lange im Aufstand gegen entsprechende Auflösungsversuche und -Prozesse befänden, habe nun auch in Europa eine „Re-Traditionalisierung“ eingesetzt. Weiterlesen

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Was ist das Eigene? – Teil 1: Grundsätzliche Überlegungen

Die große Frage, die alle im weitesten Sinne konservativen Kräfte in allen Kulturen beschäftigt, ist die nach der Kontinuität des Eigenen. Jene Japaner, die in der Meiji-Zeit die Voraussetzungen dafür schufen, dass Japan den Herausforderungen der westlichen Moderne relativ erfolgreich begegnen konnte, mussten ebenso Antworten auf diese Frage finden wie die islamischen Kräfte, die sich ebenfalls durch die westliche Moderne herausgefordert sehen oder die Völker Osteuropas und Zentralasiens während der Herrschaft des auf ihre Auflösung zielenden Kommunismus. Weiterlesen

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Guillaume de Machaut: Messe de Nostre Dame

Das „Projekt Ernstfall“ begann im Sommer 2009 und war zwischen 2011 und 2014 auch im Netz verstärkt präsent. Ausgangspunkt war die Fragestellung, wie das Eigene durch die bereits angebrochene und sich in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich weiter zuspitzende Zeit der Verwerfungen hindurch getragen werden kann, die nicht nur Deutschland, sondern der gesamten europäisch geprägten Welt bevorstehen. Nach einigen Jahren Arbeit ist nun der erste Entwurf abgeschlossen, dessen Elemente hier in den kommenden Wochen vorgestellt werden sollen.

Passend zum Erreichen unseres Zwischenziels möchten wir die verbliebenen Leser auf eines der ältesten überlieferten Werke polyphonen Gesangs europäischer Tradition hinweisen. Die Interpretation des „Ensemble Organum“ greift dabei auf Elemente orientalischen Gesangs zurück und beantwortet dabei die Frage, wie das Eigene im Rahmen der Herausforderung durch das Fremde besser und stärker gemacht werden kann, vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Begegnung des mittelalterlichen Christentums mit fremden Religionen und Kulturen auf künstlerische Weise.

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G.K. Chesterton: Das kommende dunkle Zeitalter

Der katholische Schriftsteller G.K. Chesterton setzte sich 1927 in seinem Aufsatz „The New Dark Ages“ mit den sich spätestens seit der französischen Revolution immer deutlicher ankündigenden Verwerfungen und möglichen Antworten darauf auseinander.

Chesterton war einer der ersten Autoren, der nicht mehr davon ausging, dass die zu den bereits eingetretenen und künftigen Verwerfungen führenden Entwicklungen noch umkehrbar wären. Anders als optimistischere Stimmen sprach er von Schutzräumen, die es angesichts des heraufziehenden Sturmes zu beziehen gelte.

The Dark Ages, properly understood, were that period during which cultural continuity is almost broken between the fall of Rome and the rise of mediaeval society. [T]here really is a parallel between our position and that of people in the Dark Ages. One way of putting it is that both are faced with a possible triumph of the barbarians. […] A much truer way of stating the parallel is this; that history is here repeating itself, for once in a way, in connection with a certain idea, which can best be described as the idea of Sanctuary. In the Dark Ages the arts and sciences went into sanctuary. This was true then in a special and technical sense; because they went into the monastery. [I]t is a fact attested by all historians that what culture could be found in that barbarous transition was mostly to be found in the shelter of the monastic institutions. We may regret or admire the form which that culture took in that shelter; but nobody denies the storm from which it was sheltered. […] In short, I believe we have reached the time when the family will be called upon to play the part once played by the Monastery. [I]t is by retiring into these forts that we can outlast and wear down the invasion; it is by camping upon these islands that we can await the sinking of the flood.

Das Konzept von Schutzräumen mag manchem Leser als zu passiv erscheinen, aber aber die ihm zugrundeliegende Annahme, dass Kräfte für eine kulturelle Erneuerung, welche die erwarteten Verwerfungen abwenden könnte, nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden seien, bestätigt sich laufend.

Auch wenn das Bewusstsein für die Symptome dieser Verwerfungen bei vielen Menschen in Europa zuzunehmen scheint, ist eine organisierte Kraft, welche die kulturellen Ursachen hinter diesen Entwicklungen erkennt, benennt und ihnen mit einem intakteren Gegenmodell begegnet, etwa kaum in Sicht. Selbst wenn es gelingen sollte, die eine oder andere negative Entwicklung zu verlangsamen (etwa durch die bessere Steuerung von Zuwanderung), würde dies nichts an der Richtung der allgemeinen Entwicklung ändern, auch wenn es grundsätzlich positiv wäre, mehr Zeit zu gewinnen.

Das Konzept der Schutzräume gewinnt daher an Relevanz. Es wurde von verschiedenen religiösen oder ethnokulturellen Minderheiten immer wieder erfolgreich genutzt, um sich in unterschiedlich abweisenden bis feindseligen Umfeldern zu behaupten, weshalb die Auswertung entsprechender Beispiele momentan unseren Schwerpunkt darstellt.

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Thomas von Aquin: Nation und Naturrecht

Der hl. Thomas von Aquin gehört zu den herausragenden Gestalten der abendländischen Geistesgeschichte, vor allem aufgrund seiner Entwicklung eines christlichen Konzeptes des Naturrechts. Der hl. Thomas entwickelte in seinem Konzept antike Gedanken auf eine Weise weiter, die bis in die Gegenwart nachwirkt.

Für unsere Leser dürften die folgenden, im 13. Jahrhundert formulierten Gedanken über die Rolle von Familie, Abstammung und Nation im Naturrecht aus seinem Hauptwerk „Summa Theologiae“ besonders relevant sein:

Also nach Gott ist der Mensch am meisten Schuldner den Eltern und dem Vaterlande. Wie somit es zur Gottesverehrung gehört, an erster Stelle Gott einen Kult darzubringen; so geht es die Hingebung oder Pietät an, an zweiter Stelle die Eltern und das Vaterland zu ehren. In der den Eltern erwiesenen Ehre ist nun eingeschlossen die den Blutsverwandten gegenüber; denn blutsverwandt sind eben Personen deshalb, weil sie von den nämlichen Eltern abstammen. Und in der dem Vaterlande erwiesenen Hingebung ist eingeschlossen die allen Mitbürgern gegenüber und allen Freunden des Vaterlandes.

Der hl. Thomas verbindet in diesen Worten ältere jüdisch-christliche Naturrechtsvorstellungen, wie sie etwa in den Zehn Geboten zum Ausdruck kommen (insbesondere im vierten Gebot, welches das Abstammungsprinzip behandelt), mit rationaler Betrachtung der Welt und der Natur des Menschen, um eine Antwort auf die Frage nach einer guten Ordnung der Welt zu finden.

Da sich die Natur des Menschen in den vergangenen Jahrtausenden nicht verändert hat, sind auch die alten Antworten unverändert gültig, während die Antworten der Moderne, welche die Natur des Menschen leugnen, sich in der praktischen Prüfung zunehmend als unhaltbare Utopien herausstellen.

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Juan Donoso Cortés: Europa stirbt

Der spanische Diplomat, Politiker und Staatsphilosoph Juan Donoso Cortés (1809-1853) ist einer der bedeutendsten Kritiker der Moderne. Vor mehr als 150 Jahren diagnostizierte er den sich ankündigenden Tod Europas in Folge der Zuwendung zu den Ideen der Moderne:

Die europäische Gesellschaft stirbt. Ihre Extremitäten sind bereits kalt. Bald wird es auch ihr Herz sein. Und wissen Sie, warum sie stirbt? Sie stirbt, weil sie vergiftet worden ist. Sie stirbt, weil Gott sie geschaffen hat, um mit der katholischen Substanz ernährt zu werden und weil Kurpfuscher ihr die rationalistische Substanz als Nahrung verarbreicht haben […]. Sie stirbt, weil der Irrtum tötet und weil diese Gesellschaft auf Irrtümern aufgebaut ist […]. Daher wird die Katastrophe, die kommen muss, in der Geschichte die Katastrophe schlechthin sein. Die einzelnen Menschen können sich noch retten, weil sie sich immer retten können. Aber die Gesellschaft ist verloren, nicht deshalb, weil ihre Rettung eine radikale Möglichkeit an sich darstellt, sondern weil die Gesellschaft meiner Überzeugung nach ganz offenbar nicht gerettet werden will.  Es gibt keine Rettung für die Gesellschaft, weil wir aus unseren Kindern keine wahren Christen machen wollen und selbst keine wahren Christen sind. Weil der katholische Geist, der einzige, der Leben in sich trägt, nicht alles belebt, weder den Unterricht noch die Regierung noch die Institutionen noch die Gesetze noch die Sitten.  Es wäre ein gigantisches Unterfangen, das sehe ich nur zu klar, wollte man den derzeitigen Lauf dieser Dinge ändern.

Eine Prognose aufgestellt zu haben, die auch mehr als ein Jahrhundert später noch gültig ist, stellt eine außergewöhnliche Leistung dar, die nur wenigen Beobachtern der Lage jemals gelungen ist.

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